Interview zu Wonungseigentümergemeinschaften mit Christian Stolte, Bereichsleiter Klimaneutrale Gebäude, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)


Warum sind Wohnungseigentümergemeinschaften für die Energiewende so wichtig?
In Deutschland gibt es rund 42 Millionen Wohnungen. Davon befinden sich 9,3 Millionen im Besitz von Einzelpersonen. Sie sind damit Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft, kurz WEG. Schauen wir uns die Zahlen an, betrifft das so gut wie jede vierte Wohnung. 
Bis 2045 wollen wir auch im Wohnsektor keine Treibhausgase mehr emittieren. Mehrfamilienhäuser und damit auch Wohnungseigentümergemeinschaften spielen bei der Erreichung der Klimaziele eine zentrale Rolle. 
Für Energieberatende sind Eigentümerinnen und Eigentümer, die sich die Verantwortung für ihr Gemeinschaftseigentum wie die Fassade, das Dach, das Treppenhaus oder auch die Außenanlagen teilen, eine besondere Herausforderung. Entscheidungen einer WEG zu begleiten, ist deutlich anspruchsvoller als die Beratung einer einzelnen Kundin oder eines einzelnen Kunden.
  

Warum ist die energetische Modernisierung in WEGs besonders herausfordernd?
Viele Modernisierungsvorhaben scheitern leider schon in der Anfangsphase. Oder werden erst gar nicht in Angriff genommen.
Auf der einen Seite sind Entscheidungsprozesse in WEGs kompliziert, auf der anderen Seite sind Eigentümergemeinschaften meistens sehr vielfältig zusammengesetzt – unterschiedliche Interessen und finanzielle Möglichkeiten der Einzelnen erschweren es, zu einer Entscheidung zu kommen, vor allem, wenn damit größere Investitionen verbunden sind. Eine gemeinsam getragene Finanzierung der Modernisierungsmaßnahmen ist oft die größte Hürde – insbesondere, wenn zu wenig Rücklagen gebildet wurden oder ein solides Finanzierungskonzept fehlt. Es bestehen vielfältige Informationslücken bei Hausverwaltungen und WEG-Mitgliedern zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, gesetzlichen Anforderungen und zur Umsetzbarkeit eines Heizungstauschs. 
Mit ihrer Beratung leisten Energieeffizienz-Experten oder -Expertinnen oft den entscheidenden Beitrag, um WEGs auch unter schwierigen Voraussetzungen in Aktion zu bringen. Sie sollten deshalb in ihrer wichtigen Arbeit unterstützt werden, um Akzeptanz für die geplanten Maßnahmen zu finden.


Wie kann die energetische Modernisierung in der WEG gelingen?
Gute Kommunikation, praxisnahe Antworten und ggf. neutrale Informationen sind wichtige erste Schritte, den Mitgliedern einer WEG bei ihrer Entscheidungsfindung zu helfen. Um auch Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten dabei zu unterstützen, sich auf ihre Beratungstätigkeit zu fokussieren, bietet die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) begleitende Materialien zu den Themen Modernisierung, Energieberatung, Finanzierung, Förderprogramme und rechtliche Grundlagen an. Dazu gehören auch Checklisten, Entscheidungshilfen und Tools, die Akteure bei der energetischen Sanierung unterstützen.  

Modernisierung in einer WEG ist immer ein Gemeinschaftsprojekt. Eine verständliche Beratung, die nachvollziehbare Handlungsoptionen aufzeigt, ist die Grundlage, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Wenn zudem verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten genutzt werden, die zur heterogenen Eigentümerschaft passen, ist der Weg für eine Umsetzung geebnet. Um die Hindernisse auf dem Weg zur energetischen Sanierung zu reduzieren, stellen wir mit dem WEG-Praxisguide (www.gebaeudeforum.de/weg-praxisguide) begleitende Angebote zur Verfügung.
 

Wir bedanken uns für das Gespräch.